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10. Juni 2025  I  1 Min. Lesezeit 

Expedition 01 · Moraine Lake

Der Moraine Lake war eines der großen Ziele meiner Reise durch die kanadischen Rocky Mountains. Ich kannte dieses unwirkliche Türkis, die schroffen Gipfel und ihre Spiegelungen nur von Fotografien – nun wollte ich den Augenblick erleben, in dem das erste Licht die Landschaft verwandelt.

Der Moraine Lake liegt auf 1.884 Metern Höhe im Valley of the Ten Peaks im kanadischen Banff-Nationalpark. Der weltberühmte Bergsee wird von Schmelzwasser aus den umliegenden Gletschern gespeist. 

Seine unverwechselbare türkisblaue Farbe entsteht durch feinste Gesteinspartikel im Wasser, die das einfallende Sonnenlicht brechen. Mit steigendem Wasserstand gewinnt das Türkis im Verlauf des Junis zunehmend an Intensität.


Da private Fahrzeuge den See nicht anfahren dürfen, muss ein Platz im Shuttle lange im Voraus gebucht werden, ohne zu wissen, welches Wetter einen erwartet. Dieses Mal war ein klarer Morgen vorhergesagt.

Um drei Uhr stand ich auf. Kamera, Objektive und Stativ waren vorbereitet; vorsorglich hatte ich auch eine Stirnlampe eingepackt. 

Mit dem ersten Shuttle fuhr ich von der Mountaineer Lodge in Lake Louise zum Moraine Lake. Es war nur noch ein Platz frei, sodass meine Partnerin den nächsten Bus nehmen musste.

BEVOR DER TAG BEGINNT

Türkisfarbenes Wasser. Zehn Gipfel. Eine Oberfläche, die für wenige Minuten vollkommen still bleibt. Dann erreicht das erste Licht die Berge – und die Landschaft verändert sich mit jeder Minute.

Für einen Moment vergaß ich alles – sogar das Fotografieren.

Am fast menschenleeren Parkplatz stand ich in der frühen Morgendämmerung vor einer Gabelung: Rechts führte der Weg auf Seehöhe hinüber zu den Kanus, geradeaus über Felsstufen hinauf zum Aussichtspunkt und links ein schmaler Pfad bergab in den Wald. 

Dort warnte ein Schild eindringlich vor Bären und davor, den linken Waldweg allein zu betreten. Die Stille wirkte plötzlich nicht mehr nur friedlich, sondern wild und unberechenbar.